Fragen und Antworten: Ein Blick hinter die Kulissen des neuen Grove GMK6400-1

Die Erwartungen rund um das bevorstehende Marktdebut des neuen Grove-AT-Krans GMK6400-1 sind enorm. Wir haben uns mit drei Mitgliedern des mit der Entwicklung dieses Typs betrauten Teams unterhalten, um mehr über den Prozess zu erfahren.



Der Grove GMK6400-1 übernimmt einige der überaus populären Leistungsmerkmale seines Vorgängers, bietet aber auch mehrere spannende Upgrades, darunter das CCS-Kransteuerungssystem, das MAXbase-System für variable Abstützstellungen und den neuesten, mit der Abgasnorm Euro 5 konformen Motor. In einem Gespräch mit drei Mitgliedern des Projektteams fragte die Redaktion von Looking Up diese nach ihren persönlichen Eindrücken vom Konstruktions- und Entwicklungsprozess und wollte erfahren, worauf sich die Benutzers dieses Krans besonders freuen können.



Trotz des besten Tragfähigkeitsdiagramms seiner Klasse kann der Grove GMK6400-1 die ohnehin schon beeindruckende Kapazität mit dem selbstabspannenden MegaWingLift-Anbaugerät um fast 70 % steigern.
Obwohl der Grove GMK6400-1 das beste Tragfähigkeitsdiagramm seiner Klasse aufweist, kann er seine ohnehin schon beeindruckende Kapazität mit dem selbstabspannenden MegaWingLift™-Anbaugerät um fast 70 % steigern.

F. Was hat das Unternehmen dazu bewogen, den Grove GMK6400 einem Upgrade zu unterziehen, dessen Ergebnis der GMK6400-1 ist?



AC: Unsere Produkte – und dazu gehörten natürlich auch unsere 400-t-Typen – werden ständigen Überprüfungen unterworfen, bei denen wir nach Möglichkeiten Ausschau halten, wie wir sie dem neuesten Stand der Technik anpassen können. Einer der Hauptgründe für das Upgrade dieses Krans bestand darin, den aktuellsten Emissionsvorschriften (der Euro-5-Norm in Europa) Rechnung zu tragen. Außerdem wollten wir das Kransteuerungssystem aller unserer Krane standardisieren, und der GMK6400 war nun einmal einer der wenigen Krantypen von Grove, der noch nicht mit Manitowocs CCS-Kransteuerungssystem ausgerüstet war.


Q. Welche Vorteile bringt die Integration des CCS in einen Kran mit sich, in dem dieses System bisher nicht zur Verfügung stand?



JSR: Durch die Integration des CCS konnten wir den Kran auch mit dem MAXbase-System für variable Abstützstellungen ausstatten, sodass die Kranfahrer die Abstützungskonfiguration so variieren können, dass sie auf den jeweils verfügbaren Platz abgestimmt ist. Darüber hinaus erhöht das CCS die Tragfähigkeit des Krans. Die Kunden sind von diesem Leistungsmerkmal ausnahmslos begeistert. Außerdem war es einfach sinnvoll, den Kran mit dem CCS auszurüsten, einem weit verbreiteten Steuerungssystem, mit dem sich die Kunden gut auskennen. Es bietet zahlreiche betriebsrelevante Vorteile, etwa ein besseres Display mit einem intuitiveren Menü, Hubvorschauen und vieles mehr.


F. In welchem Umfang ist die Entwicklung des Krans auf den Prozess zurückzuführen, den wir als „Stimme des Kunden“ bezeichnen?



AC: Das Feedback, das wir im Rahmen des Programms „Stimme des Kunden“ erhalten haben, ist in den gesamten Produktentwicklungsprozess eingeflossen. Wir führen Gespräche, in deren Verlauf wir uns ein klares Verständnis davon verschaffen, was unsere Kunden mögen und was ihnen weniger gefällt – nicht nur Gespräche ohne persönlichen Kontakt, sondern auch Unterhaltungen, bei denen wir den Kunden direkt gegenübersaßen. Die Meinung der Kunden ist für uns von größter Bedeutung. Viele von ihnen haben beispielsweise im Hinblick auf den GMK6400 davon gesprochen, wie zufrieden sie mit dem MAXbase-System waren. Also wollten wir natürlich auch den GMK6400-1 damit ausstatten.


Es wurde uns auch klar, worauf wir keinesfalls verzichten sollten. So wiesen mehrere Kunden zum Beispiel darauf hin, wie schnell der GMK6400 aufgebaut und in Betrieb genommen werden kann, und sie betonten, dass sie diesen Vorteil keinesfalls aufgeben wollten. Bei diesen Gesprächen wurden zum Teil auch kleinste Details angesprochen, etwa der Wunsch nach helleren Arbeitsleuchten – eine Bitte, die wir gerne erfüllten. Wir berücksichtigen alle diese Erkenntnisse und Anliegen, diskutieren darüber und werten sie aus, bevor wir sie im Konstruktionsprozess berücksichtigen. So stellen wir sicher, dass der GMK6400-1 auch wirklich der von unseren Kunden bevorzugte Typ ist.


Grove GMK6400-1 präsentiert seine beeindruckende Ladekapazität auf dem Testpad in Wilhelmshaven
Der Grove GMK6400-1 präsentiert seine beeindruckende Ladekapazität auf dem Testpad in Wilhelmshaven.

F. Wir wissen, dass Manitowoc-Kunden von der Geschwindigkeit des Krans sehr beeindruckt sind. Gibt es noch andere Leistungsmerkmale, auf die sie auch in dem neuen Typ nicht verzichten wollten?



MS: Die abmontierbaren Abstützkästen haben es vielen unserer Kunden besonders angetan. Außerdem ist das selbstrüstende MegaWingLift™-System eines der auffälligsten Leistungsmerkmale des Grove GMK6400. Dieses selbstrüstende Anbaugerät zur Erhöhung der Tragfähigkeit kann in gerade einmal 20 Minuten aufgebaut werden. Und natürlich haben wir wiederum dafür gesorgt, dass auch der neue Typ mit diesem System ausgerüstet ist. Viele Kunden wissen auch den vorhandenen wippenden Hilfsausleger zu schätzen , der ohne viel Aufwand zu einem starren Hilfsausleger konvertiert werden kann. Also haben wir auch dieses Merkmal beibehalten.


Wir haben aber nicht nur diese besonders populären Leistungsmerkmale übernommen, sondern auch mehrere Upgrades vorgenommen. Dabei galt unser Augenmerk einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen unter dem Gesichtspunkt der Ergonomie, etwa mit Spezialhandläufen am Ausleger sowie Steigleitern und Laufstegen an kritischen Stellen und einer neuen Option für die Beleuchtung des Arbeitsbereichs.


F. Was waren die größten Herausforderungen während der Konstruktionsphase?



JSR: Eine der Hauptschwierigkeiten bestand in der Aufgabe, das CCS so zu entwickeln, dass es im neuen GMK6400-1 einwandfrei funktionierte. Die Anpassung des Systems an die höhere Tragfähigkeit des Krans, die große Reichweite seines Hilfsauslegers und den MegaWingLift™ erforderte eine Menge Arbeit. Es bedurfte eines hohen Maßes an Visualisierung, um sicherzustellen, dass das CCS mit dem wippenden Hilfsausleger eingesetzt werden kann. Wir mussten uns darüber Gedanken machen, wie und in welchem Winkel der Ausleger gerüstet werden konnte. Das Ganze war ein komplexer Prozess, an dessen Ende wir aber einen Kran mit hoher Tragfähigkeit präsentieren konnten, der darüber hinaus auch noch einfacher zu bedienen ist – und gerade am diesem Aspekt werden die Kunden große Freude haben.


F. Würden Sie uns bitte etwas mehr darüber verraten, wie Sie den neuen Motor integriert haben? War dieser größer oder vielleicht auch komplexer?



MS: Wir sind von einem V8-Motor auf einen Sechszylinder-Motor umgestiegen. Die Integration des Motors in den Fahrwerksrahmen und seine Abstimmung auf all die verschiedenen Eigenschaften des Krans erwies sich als eine echte Herausforderung. Außerdem musste das Zusatzgewicht des Motors im Design und in der Auslegung anderer Komponenten berücksichtigt werden. Wegen des größeren Kühl- und Abgasnachbehandlungssystems (das zur Einhaltung der Abgasnormen erforderlich ist) wurden die Freiräume rund um den Motor verkleinert. Schließlich mussten wir auch sicherstellen, dass keine unserer Konstruktionsänderungen den Platz beschränkt, der für den Aufbau des selbstrüstenden MegaWingLift™-Systems auf dem Unterwagen benötigt wird.


Grove GMK6400-1 präsentiert seine beeindruckende Ladekapazität auf dem Testpad in Wilhelmshaven
Der Grove GMK6400-1 ist der stärkste sechsachsige Kran auf dem Markt mit einem beeindruckenden Wippausleger von 79 m und einem festen Gitterausleger von 64 m.

F. Wie haben Sie nach Beginn der Erprobungsphase die beiden Prototypen genutzt?



AC: Wir haben zwei Prototypen gebaut – wenn einer von ihnen einer Belastungsprüfung unterzogen wurde, konnten wir am anderen den Kranoberwagen testen und Straßentests durchführen. Damit konnten wir die Tests beschleunigen und die Konstruktion besser verstehen, um alle Einstellungen vornehmen zu können, die wir für nötig hielten.


F. Welche Lektionen haben Sie während der Erprobungsphase gelernt?



MS: Wie haben erkannt, dass die neue Hydraulikanlage im GMK6400-1 etwa 10 % mehr Leistung erbringt als das System im Vorgängertyp. Ungeachtet dessen haben wir aber auch festgestellt, dass das verbesserte Design und Layout die Lärmentwicklung reduzierten, was eine angenehmere Arbeitsumgebung für den Kranfahrer zur Folge hat. Im praktischen Einsatz führte die neue Hydraulik zu erheblichen Verbesserungen. Einer der als Prüfer eingesetzten Kranfahrer wies darauf hin, wie glatt und reibungslos die Hub- und Teleskopmechanismen arbeiteten. Im Vergleich zum GMK6400 wurde der Kraftstoffverbrauch um ca. 30 % reduziert.


Der GMK6400-1 wird auf der bauma 2022 vom 24. bis 30. Oktober in München erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.